Ein Artikel im Weilburger Tageblatt

Wandern am Rhein und Zelten mit über 800 hessischen Pfadfindern in Homberg (Ohm): Das sind nur zwei der vielfältigen Aktionen der Konradsteiner Pfadfinder aus Weilburg in diesem Jahr. Und 2019 geht die Reise ganz weit weg.

Am 24. März geht es los dann machen sich die Konradsteiner auf den Weg nach Koblenz, um entlang des Rheins nach Rüdesheim zu wandern. Eine Woche wollen die Pfadfinder die Natur erkunden, zelten und zum Abschluss eine Schifffahrt auf dem Rhein machen sowie Rüdesheim besichtigen, erzählt Stammesführerin Annabelle Nickel. „Das ist unsere größte Fahrt in diesem Jahr. Für den Sommer war es schwierig, einen Termin zu finden“, sagt sie.

Normalerweise machen sich die Konradsteiner in den Sommerferien für mehrere Wochen auf den Weg, um ein neues Land zu entdecken. So waren die Jugendlichen und jungen Erwachsenen 2015 in Rumänien und 2016 in Polen. „Die Landesfahrten werden für die hessischen Pfadfinder organisiert, aber jeder Stamm ist dann für sich in einer Region unterwegs.“ Mit Zelten, Essensvorräten, Wanderkarten, Gitarre und vielem mehr ausgestattet, wandern die Pfadfinder für zwei bis drei Wochen, um einen Teil des Landes zu erkunden und mit den Menschen in Kontakt zu kommen. „Wir haben bisher nur positive Erfahrungen gemacht. Die Menschen sind sehr nett gewesen und haben uns beispielsweise ihre Wiese zum Zelten angeboten oder uns zum Essen eingeladen“, erzählt Annabelle Nickel. Auch, um von einem Ort zum anderen zu kommen, waren die Pfadfinder hin und wieder auf fremde Hilfe angewiesen. „Weil das Wetter in Rumänien drückend schwül war, wollten wir die letzten Kilometer trampen, statt zu laufen.“ Allerdings waren die Wetzlarer und Weilburger Pfadfinder zusammen unterwegs und zu 14., was eine Herausforderung darstellte. „Idealerweise hielt ein Lkw an, der uns alle mitnahm“, schildert sie ein Abenteuer ihrer Fahrt.

Die Landesfahrten, wie die nach Rumänien, werden vom Landesverband Hessen im Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) organisiert. „Der stellt die Reisebusse für die Hin- und Rückfahrt zur Verfügung, empfiehlt Kartenmaterial und sehenswerte Regionen in einem Land.“ Es gibt aber auch Bundesfahrten des BdP, wie die Fahrt nach Polen. Dann kommen über 300 Pfadfinder aus ganz Deutschland zusammen. „Die ersten vier Tage haben wir gemeinsam verbracht. Dort haben wir die ersten polnischen Wörter, Lieder und Tänze gelernt“, erzählt die Pfadfinderin aus Heckholzhausen.

Um sich vor Ort verständigen zu können, mit Englisch klappt es nämlich nicht immer, lernen die Pfadfinder einige wichtige Phrasen in der jeweiligen Landessprache. „Es gibt extra für Pfadfinder online ein Wörterbuch, Kauderwelsch, in dem Ausspracheregeln und Sätze stehen, um zum Beispiel nach Trinkwasser oder einem Schlafplatz fragen zu können“, sagt sie. Das Ziel der Konradsteiner sei es, die Menschen wenigstens in ihrer Sprache begrüßen und sich bedanken zu können.

Kinder und Jugendliche können die Pfadfinder auch beim Jugendkirchentag kennenlernen

Im kommenden Jahr führt die Landesfahrt die jungen Pfadfinder nach Ungarn. „Wahrscheinlich müssen wir da schon früher anfangen, einige Sätze zu lernen, denn die Sprache ist ja nicht gerade einfach“, sagt Annabelle Nickel und lacht. Etwa ein Jahr vor der großen Fahrt beginnen die Stammesmitglieder mit der Planung. „Wir suchen uns die Region aus, in der wir wandern wollen, müssen überlegen, wie viel Budget wir einplanen für die Versorgung vor Ort, welches Kartenmaterial wir mitnehmen und vieles mehr“, erklärt sie. So recherchieren die Pfadfinder unter anderem vorab, welche öffentlichen Verkehrsmittel zur Verfügung stehen und wie teuer Lebensmittel sind. „Im Herbst werden wir mit den Anmeldungen beginnen. Dann gibt es auch einen Elternabend.“

Wer mit auf große Fahrt gehen will, sollte mindestens elf Jahre alt und schon etwas länger bei den Pfadfindern sein. „Wir sind dann mehrere Wochen 24 Stunden am Tag zusammen. Man kann sich nicht aus dem Weg gehen. Da sollte man abchecken, ob das was für einen ist“, sagt Annabelle Nickel. Das Jahr über haben die jungen Pfadfinder dazu immer wieder Gelegenheit. Es gibt unter anderem Übernachtungen in der Hütte der Konradsteiner in Odersbach, Lager in anderen Städten und einmal pro Woche Gruppenstunden.

Ende Mai sind die Konradsteiner Pfadfinder zum Landespfingstlager in Homberg (Ohm). „Dort dreht sich alles um Harry Potter. Dafür basteln wir schon fleißig Umhänge, Eulen und Zauberstäbe“, erzählt sie. Über 800 Pfadfinder aus ganz Hessen kommen im Frühling zusammen, und alle werden auf einer großen Wiese zelten. Alle vier Jahre gibt es zudem ein deutschlandweites Treffen der Pfadfinder. Das Bundeslager fand im vergangenen Jahr statt, an der Mecklenburgischen Seenplatte. „Elf Tage haben wir in einer selbst erbauten Zeltstadt gelebt“, schildert Annabelle Nickel. Höhepunkt war der Funkkontakt zur Internationalen Raumstation ISS: „Unser Funk war der erste deutsche Kontakt mit der ISS in diesem Jahr. Zugeteilt für unser Gespräch wurde uns der Astronaut Paolo Nespoli, der vor wenigen Tagen auf der ISS angekommen war. 13 Pfadfinder stellten ihm Fragen. Insgesamt dauerte der Überflug der ISS über Deutschland nur acht Minuten, sodass der Kontakt gut geplant und nachmittags auch geprobt wurde“, erzählt sie.

Kurz nach dem Landeslager werden die Pfadfinder auch zum Jugendkirchentag in Weilburg kommen. Vom 31. Mai bis 3. Juni präsentieren sie sich an einem Stand und betreuen zudem auf dem Marktplatz Spielgeräte. „Wir wollen mit den Kindern basteln, damit sie auch etwas mit nach Hause nehmen können, eventuell Traumfänger und Freundschaftsbänder knüpfen.“ So hoffen die Betreuer, auch Nachwuchs für die Konradsteiner zu gewinnen. Annabelle Nickel sagt: „Wir wollen im Herbst eine neue Sippe gründen, für Zehn- bis Zwölfjährige. Generell können schon alle Kinder ab sechs Jahren zu uns kommen.“ Die Konradsteiner haben mehrere kleine Gruppen für Kinder und Jugendliche im jeweils gleichen Alter, sogenannte Sippen, Meuten oder Runden. Diese treffen sich regelmäßig zu Gruppenstunden und basteln, spielen, singen gemeinsam oder gehen raus in die Natur.

Und hier der ganze Artikel im Weilburger Tageblatt

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