Die Bundesfahrt des Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder (BdP) ging im Sommer 2016 nach Polen, genauer gesagt in die Beskiden. Zweieinhalb Wochen (29.07.-14.08.) erkundigten wir, sieben Pfadfinder*innen zwischen 13 und 19 Jahren, das Land.

Los ging es mit einem gemeinsamen 4-tägigen Lager aller 350 Pfadfinder*innen aus ganz Deutschland. Dort in der Nähe von Nowy Sacz haben wir die ersten polnischen Lieder, Tänze und Wörter gelernt.

Dann ging unsere Fahrt auch schon richtig los. Unser Ziel war Krakau. Doch dazu mussten wir direkt als erstes einen Berg hoch. Leider war der Weg keine Serpentine sondern ging gerade aus den steilen Berg hoch. Die erste Herausforderung für uns. Zwischendrin beschlossen wir, ganz oben die Nacht zu verbringen, egal was uns dort erwartet.

Nach mehrmaligen Pausen und völlig erschöpft kamen wir oben an. Wiesen und Wald. Erstmal sahen wir nicht viel mehr, bis wir uns entschlossen ein paar Meter weiter zu gehen. Diese Aussicht die uns dann geboten wurde, übertraf unsere Erwartungen! Wir sahen Nowy Sacz, einige kleiner Ort, einen Fluss der sich links durch das Bild schlängelte und im Hintergrund die Beskiden. Dazu strahlend blauer Himmel. Wir bauten unser Kohte auf und erlebten noch einen erholsamen Abend.

Weiter ging unsere Fahrt, immer Richtung Krakau. Nur mit Karte, Kompass und ein paar polnischen Wörtern. Ohne Handy und Uhr. Essen kochen wir dann wenn wir Hunger haben und aufstehen wenn wir wach werden. Fahrtenleben.

Wir sind ein gutes Stück gelaufen, als wir abends in ein Dorf kamen und nach einer Wiese zum übernachten fragten. Am Anfang waren die Leute skeptisch, doch irgendwann nahm uns eine nette Frau mit zu ihrem Haus und erklärte uns, dass wir die Wiese gegenüber des Hauses nutzen durften. Nach einer Zeit kam sie wieder und bestand darauf, dass wir mit ins Haus kamen. Hier wurden uns sehr leckere hausgemachte Croissants angeboten. Mittlerweile war auch die ganze Familie da, um uns `Hallo´ zu sagen. Und dann sollten wir mit “shopping” gehen. Wir waren erst einmal irritiert, bis wir verstanden, dass
sie uns den kleinen Dorf Supermarkt zeigen wollten und wir dort unser Abendessen kaufen sollten. Wir entschieden uns für Nudeln mit Bolognese und zum Nachtisch Kekse. Das Essen durften wir in der Küche zubereiten, zudem pimpten die Frauen der Familie unsere Soße noch etwas mit Kräutern auf. Nach dem Essen endete ein langer erlebnisreicher Tag. Doch schon am nächsten Morgen ging die Gastfreundschaft weiter. Wir bekamen ein tolles Frühstück von der Familie. Selbstverständlich tauschen wir unsere Adressen aus und sangen zum Dank ein Lied. Doch danach mussten wir weiter, damit wir unsere Strecke schafften.

Ein paar Tage später, liefen wir wieder durch ein Dorf, als dunkle Regenwolken aufzogen. Wir fragten einige Dorfbewohner nach einer Wiese auf der wir unser Zelt aufbauen konnten. Nach mehrer Telefonaten mit verschiedenen Dorfbewohnern konnten wir auf dem Sportplatz zelten und das multifunktionale Feuerwehrhaus benutzen. Dort gab es eine Küche, einen Aufenthaltsraum, einen Dorfladen und eben die Feuerwehrautos. An dem Abend gab es eine Kartoffel-Nudel-Suppe und Pfannkuchen. Es regnete die ganze Nacht, so beschlossen wir am nächsten Tag nach dem Frühstück uns einfach wieder hinzulegen. Wir schliefen auch ziemlich schnell wieder ein, bis auf einmal jemand gegen unsere Kohte schlug und “Hello Police!” rief. Schock. Wir wachten auf, knüpften unser Zelt auf. Dort standen zwei Polizisten, die ihre Hände griffbereit an ihren Waffen hielten. Sie begrüßten uns mit `Hallo` und fragten uns, ob wir Terroristen seien. Auf diese Frage waren wir nicht vorbereitet und sichtlich irritiert. Daraufhin erklärten wir ihnen, halb auf polnisch und halb auf englisch, wer wir wirklich sind und was wir hier machen. Die zwei Männer überprüften noch kurz unsere Personalien, wünschten uns noch einen schönen Aufenthalt und waren dann auch schon wieder weg.

An irgendeiner Stelle der Fahrt beschlossen wir, dass wir gerne ins Schwimmbad möchten. Da das nächste Schwimmbad aber ein gutes Stück entfernt war und wir nicht noch Tage lang warten wollten, beschlossen wir zu trampten. Dazu teilten wir uns am Anfang in zwei Gruppen auf, wobei sich die Fünfergruppe später nochmal teilte. Wir fanden auch in Polen sehr nette Autofahrer*innen die uns ein Stück mit nahmen. Im Schwimmbad angekommen, wurden wir erst einmal mit den Sitten des Landes vertraut gemacht, denn hier trägt man eine Badekappe, die wir uns erst einmal kaufen musste, da wir keine hatten. Doch die Sache mit den Badekappen auf den Köpfen stellte uns immer wieder vor Herausforderungen, da wir uns einfach nicht erkannten, weil alle so gleich aussahen. Da hielten wir dann schon mal Ausschau nach jemanden der eigentlich direkt neben einem stand. Nach unserem Wasseraufenthalt gab es eine Stärkung in Form von Burger. Eines der Highlights auf Fahrt.

Unser Aufenthalt in den Beskiden neigte sich langsam dem Ende. Doch bevor die mit dem Bus nach Krakau rein fuhren, besuchten wir ein Kloster und schauten uns dort das Museum an. Die Führung war auf polnisch, aber es gab nette Besucher, die uns alles auf englisch übersetzen.

Unseren letzten Tag verbrachte wir dann in Krakau. Da unser Bus nach Hause erst abends losfuhr, hatten wir den ganzen Tag Zeit uns die Stadt anzuschauen, Eis zu essen, Souvenirs zu kaufen und Fotos zu machen.

Wir schrieben die letzten Seiten unserer Fahrtenchronik, die wir auf jede Fahrt mitnehmen und in die wir alles mögliche hineinschreiben und malen. Angefangen von Tagesberichten der Fahrt, über Gedichte, neu gelernte Lieder, Vokabeln, Adressen, Witze und Essenssprüche.

Noch einmal unterhielten wir uns mit den Menschen auf polnisch, zumindest versuchten wir es. Und noch einmal genossen wir die Mentalität des Landes. Aber auch dieser Tag endete und wir begaben uns nach zweieinhalb Wochen auf die lange Heimreise nach Weilburg.

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